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Teilhabe & Möglichkeiten

Teil 15 meiner Hörgeschichte

2026 – Zack, steht man im Supermarkt und versteht seinen Mann nicht mehr und fängt das Gebärden an. Du erinnerst Dich, ich habe ein ganzes Stück weiter vorne in meiner Hörgeschichte davon erzählt.

Wir haben uns im März für einen Gebärdensprachkurs im Juli und für Oktober angemeldet. Wir haben meine alte Gebärdensprach-Vokabelbox (man mag es kaum glauben: Ich habe sie 26 Jahre lang aufgehoben, inklusive der Bücher von damals) reaktiviert. Und dann kam mir dieses Mädchen von damals in den Sinn. Wie alt sie jetzt wohl ist? Ich überlegte, aber so genau wusste ich das nicht mehr – wie alt war sie damals eigentlich gewesen? Aber den Namen wusste ich noch.

Und so habe ich einfach mal gegoogelt … und tatsächlich einen Artikel gefunden, in dem ihr Name vorkam. Da habe ich mir ein Herz gefasst und an die Adresse im Artikel (der auch schon wieder fast zehn Jahre alt war) eine Mail geschrieben – mit der Bitte, diese Nachricht eventuell weiterzuleiten. Ich wusste nicht, was passieren würde; ich wusste nicht, ob ich überhaupt eine Antwort erhalten würde. Ich habe es einfach probiert.

Und nach ein paar Tagen kam tatsächlich eine Antwort! So genau weiß ich es gar nicht mehr, aber es war ungefähr so: „Endlich hast du mich gefunden! Ich habe lange versucht, deine Adresse herauszubekommen, um dich zu kontaktieren, sie aber nie gefunden.“

Als ich es las, liefen einfach nur die Tränen, und mir wurde klar, wie eng unsere Verbindung damals doch irgendwie war. Es hat mich zutiefst berührt, dass sie mir geantwortet hat und wir nun wieder im Kontakt waren.

Wir haben ein wenig hin und her geschrieben und uns für April 2026 verabredet.

Ich kann nur sagen: Es war ein wirklich sehr, sehr emotionales Wiedersehen. Da sind so einige Taschentücher draufgegangen! Meine Gebärdensprachkenntnisse waren total eingerostet, wir brauchten ziemlich viel Papier zum Aufschreiben, und trotzdem hat es irgendwie funktioniert.

Puh, während ich das hier schreibe, kullern schon wieder die Tränen – einfach, weil mich das noch immer so sehr berührt und bewegt. Meine Motivation war geweckt … und es war klar, wir werden uns wiedersehen, denn es gab 26 Jahre, die erzählt werden wollten. Zumindest ein wenig.

Das damalige Internatskind – ich nenne sie hier einfach mal Hanna – war inzwischen 38 Jahre alt, und die Erkenntnis, dass wir eigentlich nur 12 Jahre auseinanderliegen, war schon komisch. Jetzt, wo man erwachsen ist, sind 12 Jahre Altersunterschied eben doch ganz anders als damals.

Ich übte weiter mit meinem Mann Gebärden. Aus den aktuellen Büchern entstand nun eine neue Vokabelsammlung, und im Juli ging es dann zum DGS-Kurs bei Blickfang nach München.

Finnea sitzt neben einem Flyer von Blickfang München mit einer Illustration zur Gebärdensprache.

Wow, krass intensive vier Tage, und das Gedächtnis ist diesbezüglich wieder richtig in Schwung gekommen. Es war so entspannt, denn das Hören hatte einfach Pause. Die Kommunikation klappte auf einmal ganz anders. Und seit Monaten hatte ich das Gefühl, dazuzugehören und einfach dabei zu sein.

Danach war für mich klar: Ich will mehr davon, ich will mehr lernen. Und ich möchte den Gedanken der Teilhabe, der mir schon vor langer, langer Zeit durch den Kopf spukte, weiterverfolgen.
Ich möchte Einzelunterricht nehmen und lernen – lernen, damit es vielleicht irgendwann dazu reicht, meine Studioangebote für gehörlose Menschen zu öffnen, ganz ohne dass es dafür einen Dolmetscher braucht.

Ein Ziel! Seit langer Zeit hatte ich endlich wieder ein Ziel vor Augen. Und vielleicht treffe ich auf diesem Weg ja gehörlose Menschen, mit denen ich kommunizieren kann, ohne dass es auch nur eine Rolle spielt, was meine Ohren daraus machen. Wieder mit Menschen in einem entspannten Kontakt sein.

So weit mal die Idee … Nur: Wie findet man nun eigentlich einen Lehrer für Privatunterricht?

Bis ich diese Frage für mich geklärt hatte, stand für mich fest: Ich möchte Hanna wiedersehen. Und so verabredeten wir uns im August.

Published in2026Hör-wärts