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Bewusstsein mit dem, wonach Du fragst

Manchmal denke ich ja, das Universum hat einen ziemlich eigenen und oftmals etwas schrägen Humor.

Es heißt ja immer: „Bitte, so wird Dir gegeben. Wonach fragst Du in Deinem Leben“.
Das Ganze nennt man dann Kreation und Manifestation … oder so ähnlich.

Vor ein paar Jahren hatte ich in einer Session auf die Frage, was ich eigentlich möchte, ziemlich klar geantwortet: „Mehr von mir selbst.“
Klingt erst einmal schön.
Mehr bei mir sein. Mehr wissen, was ich will. Mehr spüren, was ich brauche. Mehr mein eigenes Leben leben.

2024 startete ich dann wieder mit der Frage: Was braucht es, mehr von mir selbst zu sein?
Ich hing mir ein tolles Poster auf:
„Folge Deinem Herzen und Du bist auf dem richtigen Weg.“
Nun ja.

Als mir 2025 meine Kardiologin sagte, es wäre wichtig, auf mein Herz zu hören, kam mir natürlich dieses Poster wieder in den Sinn.
Long COVID, Pulsgrenze 120 und sehr viel Zeit, Ruhe und Regeneration.
Was dann kam, hätte ich vermutlich nicht unter „Mehr von mir selbst“ bestellt, wenn es dafür irgendwo ein hübsches Bestellformular gegeben hätte.

Da war plötzlich eine lange Zwangspause. Monate, in denen nicht mehr einfach alles ging, was vorher selbstverständlich gewesen war.
Und damit ziemlich viel Zeit mit mir. Sehr viel mehr von mir sogar.

Nicht unbedingt in der Wellnessvariante mit Tee, Decke und inspirierendem Sonnenuntergang, sondern eher in Form von Fragen wie:

  • Was geht heute?
  • Was ist zu viel?
  • Was brauche ich gerade?
  • Was tut mir gut?
  • Was kann warten?
  • Was muss vielleicht auch gar nicht mehr?

Ich musste lernen, auf meinen Körper zu hören. Pacing, Energie einteilen, Grenzen wahrnehmen, bevor ich darüber hinweggehe, mein Nervensystem verstehen. Nicht automatisch weitermachen, nur weil ich etwas gestern noch konnte oder weil andere es vielleicht von mir erwarten könnten.

Und ich durfte ziemlich gründlich lernen, für mich einzustehen.

Gleichzeitig bekam aus dieser „Not heraus“ etwas wieder Platz in meinem Leben, das ziemlich lange irgendwo nach hinten gerutscht war: das Kreative.

Handgemalte Amrum-Karte mit Leuchtturm, Möwe, Segelboot, Tasse und dem Schriftzug „Mach mal Pause“ und „Moin“

Ich habe früher total gerne und viel gemalt, gebastelt und gestaltet. Irgendwann wollte ich sogar einmal Bühnenbildnerin werden … aber auch damals kam vieles anders als gedacht.
Als Erzieherin konnte ich mich in diesem Bereich noch ziemlich gut austoben, in meiner Selbstständigkeit geriet das Kreative dann mit der Zeit etwas aus dem Blick.

Und auf einmal war wieder Raum dafür.
Ich fing an, mich in meiner kleinen Manufaktur auszutoben, Dinge entstehen zu lassen, wieder mit Farben, Materialien und Ideen zu spielen.

Folge Deinem Herzen und Du bist auf dem richtigen Weg.
Schon irgendwie lustig.

2025 startete ich dann mit der nächsten Frage:
Was braucht es für neue Kontakte?
Welche Türen können sich in diesem Jahr für mich und mein Business öffnen?

Und dann kamen meine Ohren.
Nach der Erkenntnis, dass da offensichtlich mehr los war, kaufte ich mir ein Buch über Schwerhörigkeit. Das begann mit dem Zitat: „Das Ohr ist der Weg zum Herzen.
Ich fand das damals schon ziemlich ironisch.

Erst das Herz. Dann die Ohren.
Und irgendwie ging es genauso weiter.

Fünf HNO-Ärzte, vier Akustiker, zwei Logopäden und noch so einige Menschen mehr später kann ich sagen: Kontakte habe ich bekommen.

Türen haben sich auch geöffnet. Sehr viele sogar.
Ob ich mir das genau so vorgestellt hatte? Eher nicht.

Aber vielleicht liegt genau darin manchmal die Pointe.
Denn auch dieser Weg hat wieder Dinge in Bewegung gebracht, mit denen ich vorher nicht gerechnet hatte.

  • Menschen, die ich ohne ihn nie kennengelernt hätte.
  • Gebärdensprache, die plötzlich nach vielen Jahren wieder in mein Leben zurückkam.
  • Neue Ideen rund um Kommunikation und Teilhabe.
  • Die Frage, wie ich eigentlich selbst Menschen begegnen möchte.
  • Und noch mehr Klarheit darüber, was Würde, Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit für mich bedeuten.

Und irgendwann musste ich tatsächlich lachen.

Ich wollte mehr Kontakte.
Bekommen habe ich eine kleine medizinisch-akustische Großveranstaltung.

Ich wollte, dass sich neue Türen öffnen.
Offenbar hatte niemand dazu gesagt, dass es bitte nur gemütliche Holztüren mit hübschem Türschild sein dürfen.

Alte Holztür an einem überwachsenen Haus mit Herbstlaub und Pflanzen vor dem Eingang.

Und ich wollte mehr von mir. Nun ja … davon gab es wirklich reichlich.

Ich glaube nicht, dass wir uns schwierige Dinge einfach so „bestellen“.
Manchmal stellt einem das Leben Aufgaben vor die Tür, auf die man wirklich gut hätte verzichten können.

Und trotzdem denke ich inzwischen: Vielleicht liefert das Universum manchmal genau das, was es auf dem Weg zu dem, wonach wir gefragt haben, irgendwie braucht.
Über das „Wie“ der Lieferung könnte man allerdings definitiv diskutieren.

Ich finde es spannend, im Nachhinein zu schauen:

  • Was hat sich dadurch gezeigt?
  • Welche Frage ist plötzlich lauter geworden?
  • Welche Tür ist aufgegangen, obwohl ich sie selbst niemals ausgesucht hätte?
  • Was habe ich über mich gelernt?
  • Und was mache ich jetzt mit dem, was da ist?

Vielleicht liegt für mich genau darin inzwischen Bewusstsein.

Nicht darin, alles erklären oder schönreden zu müssen, sondern wahrzunehmen, was gerade ist, zu schauen, was es sichtbar macht und was daraus entstehen kann und möchte.

Und manchmal eben auch festzustellen:
Okay, so hatte ich mir das wirklich nicht vorgestellt, aber interessant, was nun daraus geworden ist.

Und vielleicht sollte ich bei der nächsten Bestellung ein bisschen genauer formulieren was ich haben möchte und vor allem um mehr Leichtigkeit bei der Lieferung bitte.

Kennst Du sowas auch?

 

Published in2026Flusen & Flausen