Teil 3 meiner Hörgeschichte
Schön wäre es gewesen. War es aber nicht.
Zu meiner Freude bekam ich die Nachricht, dass der geräuschintensive Nachbar auszieht. Nachdem es an einem Abend mal wieder extrem laut war, hatte ich oben wutentbrannt um 22 Uhr geklingelt. Woraufhin er mir furztrocken ins Gesicht sagte: „Wann soll ich meine Möbel denn sonst abbauen? Ich ziehe aus – und dann werden Sie schon sehen, es kommt eine Kernsanierung…“
Ich hatte in dem Moment nur gehört: Er zieht aus. Das war erst mal die wichtigste Information. Leider habe ich den Satz mit der Kernsanierung etwas unterschätzt.
Durch Long COVID und Herzthematik zum Daheimsein verdonnert, donnerte im März um 7 Uhr das erste Mal der Schlagbohrer von über mir in mein Universum. Und das löste mehr als nur ein wenig Panik aus. Ich sprang aus dem Bett, unter die Dusche und flüchtete in mein Studio – überrascht, ungeplant und ganz sicher nicht im Sinne meiner Kardiologin.
Die hatte nämlich eher Ruhe, viel Schlaf und Regeneration im Sinn, als sie mir eine Pulsgrenze von 120 auferlegte (bei einem damaligen Ruhepuls von 85 bis 95).
Da der Lärm unangekündigt und ungeplant in mein Leben brach, blieb mir erst mal nur die Flucht aus meiner Wohnung ins Studio. Gekrönt wurde das Ganze durch einen Wasserschaden am ersten Bautag in meinem Badezimmer, und das zog sich dann fröhlich durch bis in den April…
Kein Quell der Freude – weder für meine Ohren, mein genervtes System noch für mein Stresslevel. Von Besserung keine Spur, die Gesamtsituation hat sich eher verschlechtert.
Ende April konnte ich in den Urlaub flüchten, und danach waren die neuen Nachbarn eingezogen. Zumindest hier wurde es etwas ruhiger. Keine Dauerbeschallung mehr.
Mehr Ruhe zwar, aber der Stress blieb im System hängen. Die Erschöpfung nahm weiter zu, die Herzwerte blieben auf „gestresst“. Es veränderte sich – trotz deutlich mehr Ruhe, keinem Sport, keiner Aktivität, einfach nichts – rein gar nichts zum Positiven, außer dass ich mich immer mehr zurückzog.
Irgendwann war es dann September, und der nächste HNO-Termin stand an.
Tonaudiogramm, Sprachaudiogramm – und ab ins Sprechzimmer. Einer der bekannten Ärzte der Praxis, Dr. Hörnsiemal-Schlechter (eigentlich ganz nett), schaute sich alles an und meinte: Innenohrschwerhörigkeit, Sie brauchen Hörgeräte.
Was machen Sie beruflich? Ja, dann macht das Sinn mit Hörgeräten. Aber: „Sie hören noch zu gut für eine Hörgeräteverordnung. Kommen Sie mal im Oktober wieder, und am besten hören Sie bis dahin etwas schlechter. Suchen Sie sich bis dahin schon mal einen Akustiker, lassen sich beraten, und dann sehen wir uns im Oktober.“
Und so machte ich – auf Empfehlung meiner Bekannten – einen Termin bei einem Akustiker in Erlangen aus…
