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Der erste Akustiker – Herr Gibtsdochgarnicht

Teil 4 meine Hörgeschichte 

Ich war aufgeregt, mein Mann kam mit – zum ersten Akustiktermin. Tonaudiogramm, Sprachaudiogramm, Sprachaudiogramm im Störgeräusch, Lautstärkentest (UCL) – das waren deutlich mehr Tests als beim HNO. Bei dieser Hörthematik würde er mir jetzt erst mal Ohrabdrücke für Otoplastiken machen, meinte er. Das sollte den Lärm und Schall draußen halten, sozusagen ein Hörgerät mit integriertem Gehörschutz.

Bis das gefertigt ist, solle ich mir mal Alpin Party Plugs reinmachen, wenn ich die Wohnung verlasse. Denn der UCL-Test (der Test zur Bestimmung der Unbehaglichkeitsschwelle) habe schließlich gezeigt, dass ich bereits bei 75 Dezibel eine ausgeprägte Geräuschempfindlichkeit habe und mein Gehör geschützt werden müsse.

Ja, und das war dann schon der erste Termin. Ich fand ihn ganz nett, den Herrn Gibtsdochgarnicht.

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch immer sehr erschöpft, mein Alltag beschränkte sich auf Zuhause und Studiotermine und dazwischen auf viel Schlafen und Ausruhen. Mein Kopf war angespannt, gestresst und ich schnell genervt.

Und dann passierte etwas sehr Spannendes.

Ich folgte dem Rat und steckte mir also diese Ohrstöpsel beim Verlassen des Hauses in die Ohren. Egal ob beim Einkaufen, auf dem Weg ins Studio, im Auto – halt überall da, wo es für mein Empfinden zu laut war.

Nach ca. zwei Wochen – es war an einem Samstag – meinte ich zu meinem Mann: „Du, da ist ein kleiner Markt, da könnten wir hinfahren und unsere Standnachbarn von den vergangenen Märkten besuchen.“

Er schaute mich an und meinte: „Sicher? – Ja, sicher.“ Ohrstöpsel rein, auf den Markt gefahren, herumgeschlendert. Zum Plaudern die Ohrstöpsel raus, danach wieder rein. Eine feine Stunde waren wir unterwegs.

Zurück am Auto meinte ich: „Ich muss irgendwie aufs Klo, was ist hier denn in der Nähe?“
Mein Mann: „IKEA.“
Ich: „Okay, dann lass uns kurz in die IKEA gehen.“
Er, völlig entgeistert: „In die IKEA? Am Samstag?! Da ist es laut!“
Ich: „Ich hab doch Ohrstöpsel.“

Also ab zu IKEA, WC und eine kurze Shoppingrunde. Da sehe ich den Post einer Freundin in Weißenburg – sie ist auf einer Gesundheitsmesse. Ich zu meinem Mann: „Komm, lass uns da auch noch hinfahren.“

Sein Blick sprach Bände, aber vor allem: Spinnst du jetzt?

Und da fiel es uns auf: Ich war nicht erschöpft, sondern voller Energie und wirklich gut drauf. Komisch?

Wir fuhren also eine Stunde zu dem Gesundheitsmarkt, bummelten eine weitere Stunde, fuhren eine Stunde zurück und gingen dann noch einkaufen.

Zuhause war ich glücklich und ein wenig geschafft, aber anders. Nicht so wie die ganzen letzten Monate – völlig am Ende –, sondern so normal geschafft, wie man es eben nach einem aktiven Tag ist.

Ja, und das setzte sich dann tatsächlich fort. Mit jedem Tag ging es mir irgendwie etwas besser. Mein Stresslevel im Garmin-Tracking ging runter – und, man mag es kaum glauben, auch der Puls.

Und so wurde mir langsam aber sicher klar, dass meine Erschöpfungsproblematik, das Stress- und Pulsthema irgendwie von den Ohren und dem Hören zu kommen schienen.

Hoffnung keimte in mir auf.

Published in2025Hör-wärts