Teil 13 meiner Hörgeschichte
Seit Juli geht es mit Frau Herz-Ganzohr sozusagen Hör-wärts.
Hör-wärts verbindet für mich Hören und vorwärts – okay, vielleicht auch mal seitwärts und manchmal sogar rückwärts. Aber zurzeit bewegen wir uns in Babyschritten vorwärts.
Im Juli begegnete ich Frau Wundertüte, und es war genauso verwunderlich wie bei Dr. Wundertüte. Wenn ich solche Erfahrungen sammle, dann frage ich ja gerne: Was ist gut daran, was ich gerade nicht verstehe?
Ich war emotional sehr, wirklich sehr aufgewühlt, aufgebracht, zornig, wütend und einfach alles. Da war also viel, wirklich viel Energie, und das brachte mir dann tatsächlich wieder neue Erkenntnisse und Klarheit.
Die Begegnung trieb zum einen meinen Forschergeist an und brachte zutage, dass die Geräuschempfindlichkeit über all die Monate nicht bei der Hörgeräteanpassung nicht so wirklich berücksichtigt wurde. Es war nun nicht mehr nur eine Vermutung, es konnte nachvollzogen werden.
Was heißt das?
Du kannst Dir das in etwa so vorstellen, als würdest Du den ganzen Tag Kopfhörer aufsetzen, auf denen ununterbrochen Musik mit voller Lautstärke läuft – und Du dabei Deinen Alltag bewältigen sollst: Telefonate, Einkaufen, Arbeiten, Meetings … Kein Wunder, dass das Nervensystem da irgendwann komplett kapituliert.
Das Gemeine daran: Ich wusste das lange Zeit ja nicht und dachte immer, irgendwas läuft hier gerade völlig schräg.
Mit dieser Erkenntnis konnte ich nun meinen Alltag auf Nervensystementspannung und Regeneration umstellen.
Die Hörgeräte wurden von Frau Herz-Ganzohr erstmal auf die gesamte Problemlage angepasst, sodass Entlastung in das System kommen kann.
Die Hörgeräte trage ich aktuell nur in 1:1- und vorhersehbaren Kontexten – keine Lärmüberraschungen, wenn möglich. Beim Einkaufen, an der Straße entlang, im Auto … überall da, wo es laut und geräuschvoll ist, trage ich meine Bose-Kopfhörer (Over-Ear oder In-Ear, je nach Situation oder im Wechsel).
Zuhause, wenn ich alleine bin, trage ich die Hörgeräte nur beim Fernsehen oder Hörbuchhören.
Das hat nun schon mal ein ganz großes Stück Ruhe reingebracht. Denn von Oktober bis weit in den April hinein habe ich die Hörgeräte – man soll sie ja schließlich möglichst viel (10 bis 14 Stunden täglich) zum Eingewöhnen getragen. So langsam wird die Entlastung spürbar.
Dazu kommt: Frau Herz-Ganzohr hat etwas, das Frau Wundertüte so gar nicht hatte … sie sieht den Menschen vor sich. Den Menschen mit dem Weg, den er bereits gegangen ist, und begegnet diesem Menschen mit Achtsamkeit, Respekt und Würde.
Ja, und das wurde mir tatsächlich durch die Begegnung mit Frau Wundertüte noch mal so klar: Jemandem mit Würde zu begegnen, ihn nicht zu bewerten, in Schubladen zu stecken oder über den Kopf hinweg über ihn zu entscheiden.
Frau Herz-Ganzohr geht den Weg gemeinsam mit einem. Da wird nachgefragt, da wird besprochen, was die nächsten Schritte sind, da wird wieder nachgefragt, wie die Erfahrungen waren. Und manchmal ist es so viel wert, Dinge einfach mal stehen lassen zu können und ihnen den Raum zu geben.
Gerade bekomme ich hier genau diesen Raum, damit sich alles wieder etwas beruhigen und runterfahren kann. Keine neuen Hörgeräte zum Testen, die wieder erfordern, auszuprobieren, die wieder Stress in das System bringen. Nein, gerade darf einfach alles mal so sein, wie es ist. Und dafür, dass dies möglich ist, bin ich gerade sehr dankbar – nach all den Hürden und Auf und Abs.
Was ist gut daran, was ich gerade noch nicht verstehe?
Es hat mich ganz radikal zu mir selbst geführt. Dazu, auf meine Wahrnehmung zu vertrauen und für mich selbst einzustehen. Keine Kompromisse, ein klares Nein und ein Ja zu mir selbst.
Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass dieser Lernweg einfacher gewesen wäre. Ob ich es dann wirklich so gelernt hätte? Ich weiß es nicht. Manchmal braucht es wohl genau diese Erfahrung, um diese Klarheit zu gewinnen.
Es hat mir an ganz vielen Stellen gezeigt, wie ich mit Menschen arbeiten und umgehen möchte – und was ich eben nicht möchte. Meine Werte, vor allem Würde, Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit, Wertschätzung und Achtung vor den anderen, sind mir noch mal so deutlich klar und bewusst geworden.
Das Ganze hat dazu geführt, mein Business noch mal zu überdenken, neu zu sortieren, meine Webseiten zu überarbeiten und diesen Weg in Worte zu fassen. BewusstSEIN unterwegs in die Welt zu bringen.
Und nein … die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende. Denn wenn man im Störgeräusch nur noch 30 Prozent Sprachverstehen hat, macht man sich natürlich darüber Gedanken, wie Kommunikation auch in Zukunft gut funktionieren kann … Dazu bald mehr!
