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Frau Herz-Ganzohr, Dr. Besonnen

Teil 12  meiner Hörgeschichte und viele Erkenntnisse

Ende Mai 2026 hatte ich meinen Termin bei Frau Herz-Ganzohr. Ich war sehr, wirklich sehr aufgeregt und – ganz ehrlich – völlig am Ende meiner Kräfte.

Da saß sie und meinte nur: „Jetzt sind Sie also bei mir gelandet.“

Ja, so war das wohl, und meine Hoffnung war riesig.

Frau Herz-Ganzohr war ganz Ohr und fragte, wie das alles bisher gelaufen war. Ich erzählte ihr, was von Oktober 2025 bis dato so passiert war, was ich alles ausprobiert und getestet hatte und zu welchen Erkenntnissen ich bis dahin gekommen war. Und so war ziemlich schnell klar, dass es für meine Hörproblematik eine ganz andere Lösung brauchte als bisher.

Da mein Termin bei Dr. Wundertüte nicht gerade von Fortschritt oder Erfolg gekrönt war, empfahl auch sie mir, noch einmal bei Dr. Besonnen vorzusprechen und zu schauen, ob eine Verordnung für Logopädie und Hörtraining möglich wäre. Da sich meine Stimme im Zuge der ganzen Hörgeräteanpassung inzwischen auch eher zu einem Krächzen entwickelt hatte, nahm ich das direkt mit auf die Liste für den HNO und vereinbarte einen Termin.

Mit nur einer Woche Wartezeit stieg meine Hoffnung auf Besserung der Gesamtsituation schlagartig.

Dr. Besonnen war – wie der Name schon sagt – sehr besonnen, ruhig und zugewandt. Allerdings waren die Praxisräume extrem hallend, und er sprach recht leise, was für mich selbst mit Hörgerät eine echte Herausforderung war.

Die Untersuchungen brachten dann aber endlich etwas mehr Klarheit – vor allem schwarz auf weiß aufs Papier:

Dysphonie, Hörverlust durch Schallempfindungsstörung, Hyperakusis, Sprachverständnis im Störgeräusch: massiv eingeschränkt auf 30 Prozent.

Ernüchternd klar. Aber mit einer Verordnung für Logopädie und einer echten Perspektive auf Besserung stand ich im Juni deutlich besser da als noch im Mai. Ein kleiner Erfolg und viele Erkenntnisse weiter.

Ich höre rein theoretisch gar nicht mal so schlecht – der reine Hörverlust ist also gar nicht so dramatisch. Der Verlust des Sprachverstehens im Lärm hingegen schon, und das erklärt im Rückblick so viele meiner Alltagsherausforderungen.

Die Hyperakusis stresst mein Nervensystem permanent, und das frisst unglaublich viel Energie. Ein bisschen so, wie wenn bei einem Computer im Hintergrund alle Tabs offen sind und der Arbeitsspeicher unaufhörlich vor sich hinröchelt.

Was heißt das im Alltag?

Die Kombination aus allem zusammen ist die eigentliche Herausforderung. Inzwischen sind mir ein paar Ideen gekommen, wie man das ganz gut erklären oder beschreiben kann.

Kennst Du das? Du bist in einem fremden Land und sprichst die Sprache nicht. Du kennst ein paar einzelne Wörter, aber mehr nicht. Du musst Dir den Inhalt aus dem Kontext erschließen – über Mimik, Gestik, die Situation –, raten, worum es geht, weil Du die Sprache eben nur sehr begrenzt verstehst.

Das ist mein Alltag beim Einkaufen, im Restaurant, in größeren Gruppen – überall da, wo andere Geräusche hinzukommen. Je nach Lautstärke verstehe ich etwas mehr oder weniger.

Im Zimmer, wenn nur ein bis zwei Personen da sind, kein Radio läuft und keine anderen lauteren Geräusche dazukommen, verstehe ich alles ziemlich gut und klar. Brummt jedoch die Waschmaschine, die Dunstabzugshaube oder der Handmixer dazu, war es das dann wieder mit dem Verstehen.

Wenn ich Hörgeräte trage, ist es in ruhigen Umgebungen deutlich besser, und ich verstehe sehr gut – da sind die Hörfreunde eine wirkliche Hilfe. Sobald jedoch wieder andere Geräusche ins Spiel kommen, wird es schwieriger, weil eben nicht nur Sprache bei mir ankommt.

Die Hyperakusis, also die Geräuschempfindlichkeit, sorgt zuallererst einmal dafür, dass mein System Geräusche sehr schnell als Stress einordnet. Nicht unbedingt gleich als zu laut, aber eben als „nervig“.

Vielleicht kennst Du das, wenn jemand mit den Fingern auf dem Tisch herumtrommelt? Das ist nicht laut, aber nervig. Ein Kuckuck, der ständig „Kuckuck“ ruft, ein piepsender Wecker … Geräusche, die einfach anstrengend sind. Ich glaube, jeder kennt so etwas. Das Nervensystem sagt irgendwann: GENUG!

Bei mir passiert dieses Genervtsein viel schneller, weil mein Gehirn viele dieser Geräusche nicht einfach in den Hintergrund schiebt. So fühlt es sich zumindest an – wie eine Art Softwarefehler.

Ähnlich ist es bei der Sprachverarbeitung: Geräusche und Sprache lassen sich für mich im Störlärm nicht sauber voneinander trennen, und alles landet gleichzeitig im Kopf.

Die Innenohrschwerhörigkeit wäre in diesem Bild eher der Hardwarefehler – im Innenohr funktioniert die Verarbeitung und Weiterleitung bestimmter Schallinformationen nicht mehr so, wie sie sollte.

Das Gemeine daran ist: Ich habe sozusagen das Gefühl, ich höre das Gras wachsen, aber Sprache verstehe ich äußerst schlecht. Die Gespräche im Restaurant am Nachbartisch und die Musik sind für mich gefühlt genauso präsent wie mein Mann, der direkt vor mir sitzt.

Den Alltag macht das ein wenig zum Hindernislauf, weil man sich vorher überlegen muss, was so ungefähr auf einen zukommt und wo es vielleicht klüger ist, mit Noise-Cancelling-Kopfhörern loszuziehen, um das Nervensystem zu schonen.

Published in2026Hör-wärts