Teil 7 meiner Hörgeschichte
Zwei Wochen später – der nächste Termin.
Die vorhandenen Signia-Hörgeräte wurden ausgelesen; es sollte auf das exakt gleiche Modell gewechselt werden, nur eben mit Otoplastik statt Doms.
Die Otoplastik – klein, ein ziemliches Gefummel.
Es kam ein Gel auf die Otoplastik. Nun ja, mit Cremes und dergleichen hat es mein Körper ohnehin nicht so, da reagiere ich schnell mal drauf. Ich sagte erst mal nichts, dachte nur: Hoffentlich geht das gut.
Dann wurde mir das Teil ins Ohr geparkt. Hast du schon mal versucht, Schuhe eine oder zwei Nummern kleiner anzuziehen? So ähnlich war das Gefühl. Mein Ohr schien für diese Teile irgendwie schlichtweg zu klein zu sein.
Mein Kommentar: „Da ist ganz schön viel Spannung drauf, das drückt.“
Ihre Antwort: „Ja, wo denn? Da können wir noch ein wenig was ändern.“
Also wieder raus mit den Ohrstücken, sie wurden kurz geschliffen, dann wieder rein. Nicht unbedingt besser, nur anders.
„Ja, jetzt tragen Sie das mal, das Ohr muss sich erst an das Material gewöhnen und an den Klang.“ Okay, sie ist die Fachfrau, sie wird es wissen, dachte ich mir.
Der Heimweg an der Straße entlang: Das Ohr drückt, der Kopf dröhnt… Ich bin tapfer, es ist sehr unangenehm im Ohr.
Zwei Stunden später: Es ist noch unangenehmer im Ohr, es drückt auf das Kiefergelenk, dieses beginnt zu schmerzen, und es zieht bis in den Kiefer. Ich bin tapfer… Man muss sich eben dran gewöhnen, hat man mir gesagt. Es zieht sich schon seit Monaten, ich will es richtig machen, ich will, dass es funktioniert…
Tapfer sein und „Ich will“ sind allerdings ganz schlechte Begleiter – das weiß ich heute. An diesem Tag war ich sieben Stunden tapfer. Als ich sie am Abend aus dem Ohr zog, machte es Plopp wie bei einem Badewannenstöpsel, und es tat einfach nur noch weh im Ohr.
Da dachte ich noch: Ich gehe jetzt schlafen, morgen ist ein neuer Tag, das wird schon.
Die Nacht war unruhig, der Morgen kam, und ganz brav nahm ich meine Hörgeräte mit den neuen Ohrstücken und parkte sie wieder im Ohr. Es dauerte nicht lange, da stellte sich das Missempfinden vom Vortag wieder ein – gepaart mit einem Taubheitsgefühl im Ohr, und der Schmerz zog direkt ins gesamte Gesicht, in die Zähne und den Kiefer.
Diesen Schmerz kannte ich noch von meiner vor vielen Jahren vergangenen Trigeminusneuralgie, und da war mir schlagartig klar: Das funktioniert für mich absolut nicht.
Hörgeräte raus, Schmerzmittel rein. Anruf beim Akustiker, das Problem geschildert. Frau Taktgefühl war zwar nicht im Haus, aber die Kollegin könne das sicher nachschleifen. Termin für den nächsten Tag vereinbart – wobei mir zu dem Zeitpunkt schon schnell klar war: Nein, das kommt mir so nicht mehr ins Ohr, ich will wieder Doms zurück.
Eigentlich war das dann meine erste Begegnung mit Frau Herz-Ganzohr. Und sie war wirklich ganz Ohr: Herzlich zugewandt hörte sie mir zu und verstand sofort, warum ich erst mal keine Otoplastik mehr im Ohr haben wollte.
Sie gab mir Doms, aber die Hörgeräte konnten in dem Moment leider nicht neu angepasst werden, da kein PC frei war – also hieß es erst mal wieder: warten bis zum nächsten Termin.
Mir ging es gesundheitlich schlecht. Das Ohr beruhigte sich bis zu diesem nächsten Termin kaum, beziehungsweise war der Gesichtsnerv einfach äußerst verärgert.
Der nächste Termin: „Oh, das mit den Otoplastiken hat ja wohl nicht geklappt“, war so ziemlich das Einzige, was kam.
Hörgeräte wurden auf die Doms angepasst, Termin fertig. Ich war entsprechend frustriert.
Nächste Woche, nächster Termin: An meinem grundlegenden Hörproblem hat sich dadurch leider rein gar nichts verändert. Eins-zu-eins gut, der Rest – nach wie vor schlecht.
