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Kommunikation & Teilhabe

Teil 14 meiner Hörgeschichte

„Im Störgeräusch nur noch 30 Prozent Sprachverstehen – da macht man sich natürlich darüber Gedanken, wie Kommunikation auch in Zukunft gut funktionieren kann.“

In meinem Alltag schaut der Satz für mich eher so aus:
„Im Stör… – [ein helles, unangenehmes Klirren im Hintergrund] – nur noch … Prozent Sprachver… – da macht… [ein lautes Rauschen oder Scheppern] – man sich natürlich darü… Gedanken, wie Kommunik… auch in Zukun… [schwerer, dröhnender Hintergrundton] – gut funktio… kann.“

Auf meinem Weg und nach den Kapiteln meiner Hörgeschichte, die bereits vorausgegangen sind, kam die Gebärdensprache schon mal ins Spiel. An dieser Stelle möchte ich hier anknüpfen, denn sie spielt für meinen weiteren Weg – so glaube ich zumindest – eine wichtige Rolle.

Dafür muss ich etwas in die Vergangenheit springen: vor etwa 26 Jahren.

1998 beendete ich meine Ausbildung zur Erzieherin, und nach unzähligen Bewerbungen war ich damals froh, überhaupt eine Stelle zu bekommen. Eine Erzieherstelle im Internat für Kinder und Jugendliche mit Hörthemen (schwerhörig / gehörlos).

Meine ersten Arbeitswochen waren hart, denn ich konnte keine Gebärdensprache. Ich hatte meinen Platz jedoch in einer Gruppe mit acht gehörlosen Kindern zwischen 6 und 15 Jahren zugewiesen bekommen. Ich hatte keine Ahnung und noch weniger Plan.

Wie überlebt man in so einem Job? Frau lernt möglichst schnell und möglichst viele Gebärden! So sah mein Tag zu 90 Prozent so aus, dass ich die Kinder fragte: Wie ist die Gebärde hierfür?

Dafür, dass ich mich nicht besonders sprachtalentiert einschätzen würde – in Englisch und Latein hat es früher immer nur für eine 5 gereicht –, lernte ich erstaunlich schnell, und es machte mir Spaß.

So gingen die Wochen dahin, und einige Kinder erwiesen sich hier als besonders unterstützend, was das Lernen anging. Ebenso die Hauswirtschaftshilfe, die zum Saubermachen in die Gruppe kam, hat mich sprachlich schnell vorangebracht. Es wurde also immer leichter, und so ging die Zeit und der pädagogische Alltag dahin.

Wie das so ist: Manche Kinder liegen einem mehr, andere weniger, und über drei Jahre wachsen einem manche eben auch irgendwie ans Herz. Vieles lief gut, manches nicht so, und die Arbeitszeiten waren leider so gar nicht meins. Die Arbeit an sich mochte ich sehr, aber 24 Stunden im Internat – und dann 24 Stunden wieder zu Hause mit Nachtbereitschaft – fühlten sich mit den Päckchen, die ich damals schon zu tragen hatte, einfach nicht gut an.

Ich liebte die Kinder, das Gebärden und die Arbeit an sich … nur eben nicht die Zeiten. Und so kam es, dass der Dreijahresvertrag nicht verlängert wurde. Mir fiel es damals nicht leicht, woanders hinzuwechseln und vor allem die Kinder „zurückzulassen“. Das hat sich für mich ziemlich schwer angefühlt und mich noch lange beschäftigt.

Ein Mädchen hatte mir damals besonders viel mit der Gebärdensprache geholfen, und wir hatten uns einfach gut verstanden. Auch viele Jahre später habe ich immer wieder an sie gedacht und mich gefragt, wie ihr Weg wohl weitergegangen ist.

Die Gebärdensprache blieb mir aber immer im Gedächtnis, und als ich mich 2012 mit der Ernährungsberatung selbstständig machte, kam sie mir wieder in den Sinn.

Vor allem hat mich damals sehr beschäftigt, dass gehörlose Menschen für viele Dinge einen Dolmetscher brauchten, weil eben nicht jeder Gebärdensprache kann. Für private, persönliche Themen fand und finde ich das irgendwie gar nicht so einfach – man möchte das ja nicht immer mit einer dritten Person am Tisch besprechen, die das übersetzt. Ich stelle mir das als hörende Person irgendwie nicht angenehm vor.

Ich überlegte, ob ich die Gebärdensprache wieder aktiver lernen sollte, um meine Ernährungsberatung auch in Gebärdensprache anbieten zu können, aber irgendwie verlor ich das dann wieder aus den Augen … Und so ging das Ganze seinen Weg weiter.

Published in2026Hör-wärts